Cafe Frauenhuber Chronik

einem Klavier achthändig und A.W. Schlegel hielt hier im März und April 1808 fünfzehn Vorlesungen über Dramaturgie. Jahns Sohn Franz Jahn führte das Geschäft nach dem Tode seines Vaters weiter, doch verlor es allmählich an Beliebtheit. 1812 verkaufte Franz Jahn das Haus an Andreas Popper und Mitte der Zwanzigerjahre legte er das Gewerbe zurück. Zu dieser Zeit war das Haus bereits im Besitze des Grafen Karl Strachwit, 1839 gehörte es Johann Ender, 1849 Johann und Hedwig Langer, 1869 Sigmund Teitelbaum, zu welcher Zeit es den Schildnamen „Zum Hopfen- stock” führte. Im Jahre 1877 wurde das Haus renoviert. I m Jahre 1885 war die Eigentüme- rin die „Wiener Versicherungs Ges.” 1899 wurde das Gebäude vom Staate angekauft und nach entsprechender Adaptierung für die Abteilungen des Finanzministeriums verwendet, das seit 1848 im angrenzenden Palais des Prinzen Eugen seinen Sitz hatte. I m Haus befindet sich seit vielen Jahrzehnten (seit dem Jahre 1891) das bekannte Cafe Frauenhuber, das seinen vorzüglichen Ruf, den es schon zur Zeit der alten Monarchie besaß, auch in der neuen Zeit zu wahren verstand und das heute noch zu den beliebtesten und bestbesuchten Kaffeehäusern der Stadt gehört, wo echtes und gediegenes Wiener Bürger- tum zu Hause ist. erworben hatte, übertrug sich nun all- mählich auf sein Stadtetablissement, besonders als er damit um 1788 in die Himmelpfortgasse übersiedelt war. Hier setzte er sich nun mit allen Kräf- ten ein, sein Haus in seiner Art zum ersten in der Stadt zu machen, was ihm auch unter Heranziehung aller Mittel, besonders von Musik, von li- terarischen und wissenschaftlichen Vorlesungen, Tanzunterhaltungen, Ta- schenspielern usw. gelang. Es bedürfte auch kaum mehr ein Res- taurant der Welt geben, das sich rüh- men könnte, daß es seinen Gästen zur Tafelmusik von Mozart und Beethoven persönlich habe vorspielen lassen, wie dies im November 1788 geschah, als Mozart ein Pastorale von Händel zu seinem Benefize zur Aufführung brachte und am 6. April 1797, wo der Tonheros Beethoven sich nicht scheute, sein „Quintett für Fortepiano mit vier blasenden Hörnern“ im Restaurant Jahn vorzutragen. Alle intimeren bürgerlichen Festlich- keiten wie Hochzeiten, Jubiläen, Tanz- unterhaltungen für deren Entfaltung es in privaten Kreisen an Räumlichkeiten fehlte, wurden hier abgehalten, wie im ersten Stockwerk Souper und Spiel- zimmer wo ein Salon zur Verfügung standen. B erühmt waren die hier veran- stalteten „Privat-Piqueniques“, bei denen auch die eigene Hauskapelle (rote Uniform mit goldenen Borten) aufspielte. Hier wurden auch Kinder- und Wohltätigkeits-Bälle abgehalten. Der musikalische Clown Bohdanowicz spielte mit seiner Familie 1802 auf G eschichte des Cafe Frauenhuber En beliebtes Kaffeehaus war das des Alois Hänisch, das sich bis 1824 noch auf dem alten Fleischmarkt befand und wo man immer einen „pfiffigen Diskurs” fand. Am 28. Oktober 1824 übersiedelte Hänisch in die Himmelpfortgasse Nr. 965 (heute Nr. 6), wo er nament- lich durch sein Kaffeehausschild auffiel. Er hatte sich um 1827 die Türbalken mit zwei Figuren in Lebensgröße durch den Historienmaler Erasmus Engerth verschönern lassen, deren eine angeblich keinen anderen als den ersten Kaffeesieder Kolschitzky vorstellte, wahrscheinlich nach dem Original im Besitz der Kaffeesiederge- nossenschaft. Das Kaffeehaus genoß den Ruf, eines der ruhigsten und solidesten zu sein, insoferne sich dort viele in den Ruhe- stand versetzte Militärs und Beamte versammelten. Man fand daselbst auch vorzügliche Schach- und Whistpartien und zur Zeit des Karnevals einen köstlichen Eierpunsch, der bisweilen ein lauteres Leben hervorrief. Das Kaffeehaus gelangte 1840 in den Besitz eines Herrn Kasimir, später um 1849 in den Besitz eines Herrn Anton Sagorz, der es um diese Zeit durch Johann Zizula umgestalten und ver- schönern ließ. Das Kaffeehaus hat sich rühmlich als Kaffeehaus Herzog, zuletzt ab 1891 als Café Frauenhuber bis auf unsere Tage erhalten.

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